UA-46402009-1
Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Rheinverliebt

Rheinschiffahrtmuseum Basel, Vorstadttheater Basel, 2004

Künstlerische Leitung: Marlis Hirche, Oliver Dassing

Design: Klemens Kühn

Ethnologische Beratung: Barbara Lüem

Gefördert durch den Kanton Basel und den Kanton Basel-Landschaft sowie den Lotteriefond Basel-Stadt

Mitwirkende: Sibylle Burkart, Ricki Edens, Julius Griesenberg, Gerd Imbsweiler, Roman Mäder, Ruth Oswalt, Nora von der Mühll, Michael Studer, Oliver Dassing, Romeo Stradiotti 

In einer Art theatralischer Installation soll die Geschichte der Schweizer Hochsee- und Rheinschifffahrt Thema werden, und damit ein wichtiger Teil der Basler Stadtgeschichte. Ort des Geschehens ist kein Theater, sondern ein Raum im Hafen selbst: Der grosse Lagerraum im 1.Stock des Bernoulli-Silos, eines der schönsten und ältesten Gebäude des Hafens. In ca. 20 bis 25 kleinen Räumen, labyrinthähnlich aufgebaut, können die ZuschauerInnen sich in den ca. 3 h Öffnungszeit selbstständig durch eine Theaterlandschaft bewegen, in der mit Objekten, Geschichten, Spiel, Musik, etc., Ereignisse aus der Geschichte der Rhein- und Hochseeschifffahrt und dem Leben der Rheinschifferfamilien dargestellt werden. Das Projekt wird nicht nur mit professionellen Schauspielern und Künstlern realisiert, sondern ebenso mit Rheinschiffern und Seemännern und deren Familien aus Kleinhüningen, die mit ihren Erinnerungen und Erlebnissen direkt in das Theaterstück einbezogen werden. 

Das Meer und seine Weite, der Fluss und sein Fliessen, die Sehnsucht nach Aufbruch, fremden, fernen Welten charakterisieren auch heute noch Bilder, Fantasien und Emotionen zur Fluss- wie Hochseeschifffahrt. Und dies bei etlichen Landratten ebenso, wie bei gestandenen Hochseefahrern. Das Thema fasziniert, löst Begeisterung aus quer durch die Generationen. Auch der Hafen von Basel, seine Verbindung zur Welt, hat gerade in einem Binnenland, dessen Topografie und Identität sich vor allem über Berghöhen und nicht Meerestiefen definiert, eine ganz besondere Anziehung. Das gilt insbesondere für Basel, immerhin ist der Rhein bis zur Mittleren Brücke internationales Gewässer. Basel und die Welt gehen in dieser Thematik eine ganz eigenwillige und für die Schweiz sicherlich ungewöhnliche Liaison ein. Dieser besonderen Faszination der Schiffahrt werden wir in dem Projekt nachspüren. 

Doch mit dem Leben auf See oder auf dem Fluss sind nicht nur romantische Bilder verbunden. Die mittlerweile 100jährige Frachtschifffahrtsgeschichte des Basler Rheinhafens ist auch ganz wesentlich ein Stück Industriegeschichte der Schweiz, in der sich viele zeitgeschichtliche Entwicklungen des letzten Jahrhunderts festhalten lassen. Auch dies wird Thema des Theaterprojektes. Wichtig sind uns jedoch auch die vielen konkreten persönlichen Geschichten von Menschen, die ein Grossteil ihres Lebens auf dem Wasser verbracht haben. Ihre aussergewöhnlichen und eigenwilligen Lebensumstände, ihre z.T. nahezu absurden und grotesken Erfahrungen sind ein nahezu unerschöpfliches theatralisches Reservoir, dem wir in diesem Projekt einen Platz geben wollen. Dabei geht es nicht darum  Sozialgeschichte zu betreiben, sondern theatralisch überhöht, verfremdet, zugespitzt, Lebensentwürfen und Erfahrungen Ausdruck zu verleihen.

In dem Theater-Labyrinth ist die klassische Zweiteilung von Bühne und Tribüne, Akteur und Zuschauer aufgelöst zu Gunsten einer Theaterform, in der der Zuschauer seinen Weg durch das Labyrinth selber bestimmt. Er bestimmt auch die Länge der Verweildauer vor den einzelnen Stationen, seine Nähe, seine Distanz.

Auch der Schauspieler bewegt sich nicht in dem festgelegten Bereich der Bühne, sondern ist dem direkten Kontakt des Publikums ausgesetzt; er muss dessen Aktionen in sein Spiel mit einbeziehen. Zudem ist seine Rolle nicht zu vergleichen mit einer fixen, festgelegten Person im Rahmen einer klassischen Bühnengeschichte: Er ist gezwungen während der ca. drei-stündigen Öffnungszeit seine Rolle in repetitiven aber auch variierenden, die Reaktionen des Publikum z.T. einbeziehenden Schlaufen zu spielen.

Während bei grossen Events der einzelne Zuschauer in der Masse verschwindet, der Schauspieler auf Distanz bleibt, wird hier ein umgekehrter Prozess eingeleitet: Zuschauer und Akteure teilen, ohne ihre grundsätzlichen Rollen zu verlassen, einen gemeinsamen intimen Raum.

Der Abend wird von verschiedenen Künstlern, Musikern, Schauspieler und bildenden Künstlern gestaltet. Diese besondere Form der verschiedenen künstlerischen Sprachen ermöglicht auch dem Publikum unterschiedliche Zugangsweisen zu den erzählten Geschichten. Dieses Projekt richtete sich gerade nicht an ein exklusives Theaterpublikum.

rheinverliebt, Basel 2005, Ausstellungsdesign Klemens Kühnrheinverliebt, Basel 2005, Ausstellungsdesign Klemens Kühn

Rheinverliebt, Entwurf Klemens KühnRheinverliebt, Entwurf Klemens Kühn