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Buddenbrooks

John von Düffel, nach Thomas Mann

Bühnen Halle 2007

Regie: Moritz Sostmann

Bühne und Kostüme: Klemens Kühn

Dabei hatte einen vorab schon eine leise Sorge beschlichen: Wie soll man denn dieses grandiose Roman-Monster Thomas Manns, das nicht weniger als den Untergang der klassisch-abendländischen Patrizierwelt zum Beginn der Moderne in gebotener Breite erzählt, auf der Bühne verhandeln? Und kann man das ganze, knirschende Desaster in reichlich zwei Stunden gebacken bekommen? Man kann, wenn man es kann. Moritz Sostmann hat John von Düffels Bearbeitung des Stoffes so streng und respektvoll wie möglich, aber auch so sinnlich und mit fein gesetzten Pointen inszeniert, dass aufregendes Theater entsteht - ein Denkraum mit Aussicht auch auf unsere, nicht nur die vergangenen Verhältnisse. Diese Aktualität aber realisiert sich ganz aus der Ernsthaftigkeit, die Geschichte der Buddenbrooks in ihrer Zeit handeln zu lassen und nicht mit der Brechstange zu aktualisieren. Düffels Fassung des vier Generationen überspannenden Epos' konzentriert sich auf die Enkel Thomas, Christian und Tony sowie auf Hanno, den hoch begabten, unglücklichen Sohn von Thomas und Gerda.

Überhaupt, die Bühne: Sinnfällig an einem Tisch dicht an der Rampe aufgereiht, lernen wir die Familie in glücklicheren Tagen kennen. Nach des Vaters Tod rückt der kleiner gewordene Tisch nach hinten, am Ende wird sich das Geschehen im Hintergrund und an den Rändern der Bühne abspielen: Die Buddenbrooks haben ihre Mitte verloren, auch Hannos Klavierspiel, das wir beschwörend beschrieben hören, wird nichts aufhalten können.

Wer will, kann sich danach selber aufklärerische Fragen stellen. Die ganz großen, die auch im Internet-Zeitalter noch beantwortet werden müssen: Woher komme ich, was muss bewahrt sein, wenn die Zukunft meiner Kinder nicht verrotten soll? Sostmann und Co. haben ihre Antwort gegeben. Großartig.

Buddenbrooks, John von Düffel, Bühnen Halle 2007, Bühnenbild Klemens KühnBuddenbrooks, John von Düffel, Bühnen Halle 2007, Bühnenbild Klemens Kühn