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DER SCHÖPFUNGSGARTEN

Irdischen Vergnügens in Gott, bestehend in Physicalisch- und Moralischen Gedichten,

von Barthold Heinrich Brockes

Händelfestspiele Halle 2002

Regie: Heike Irmert

Choreografie: Christine Marneffe

Maske: Cecile Kretschmar

mit dem Händel Festspiel Orchester

Musikalische Einrichtung: Bernhardt Prokein

Darsteller: Moritz Sostmann, Heidemarie Schneider, Mario Pinkowski, Beate Rademacher

Wenn man sie von den Höhen des Ranges betrachtet, erscheint die Runde wie eine Séance im Seniorenheim: Einträchtig sitzen die Greisenschöpfe im Kreis, alle tragen Filzlatschen und Freizeitkleidung, manche balancieren Instrumente auf den Knien. Doch mit dem ersten Wort kommt der Zweifel an der eigenen Wahrnehmung: Unerwartet vital und fröhlich wirken die eben noch hinfälligen Gestalten, wie früh ergraute Kinder - oder wie alterslose Engel.

So, wie das hallesche Thalia-Theater mit freien Schauspielern aus Berlin und mit Musikern des halleschen Händel-Festspielorchesters jetzt Barthold Heinrich Brockes' "Schöpfungsgarten" präsentiert, müsste man eigentlich den "Prolog im Himmel" aus Goethes "Faust" inszenieren. Und so ähnlich hätte er vielleicht auch geklungen, wenn ihn der große deutsche Chor-Regisseur Einar Schleef in milder Stimmung inszeniert hätte: Als einhelliges Lob vieler Kehlen, das aus der Droge Wort in den Rausch der Musik mündet. "Und alle deine hohen Werke", spricht es aus den Zeilen, "sind herrlich wie am ersten Tag."

Heike Irmert und Beate Rademacher nun verkleinern das Welttheater im Rundsaal der halleschen Moritzburg buchstäblich auf Schubladenformat, ohne seine Wirkung zu schmälern. In ausgesuchten Texten vor allem aus dem "Irdischen Vergnügen in Gott", das als neunbändiges Konvolut mit mehr als 5000 Seiten zwischen 1721 und 1748 erschien, erproben sie an einer Tafelrunde (Bühne / Kostüme: Klemens Kühn) die Möglichkeitenihres sechsstimmigen Sprecher-Chores und kontrastieren sie durch musikalische Werke der Brockes-Zeitgenossen Händel, Telemann und Stölzel (Musikalische Einrichtung: Bernhard Prokein). Dabei wird aufgeklärte Skepsis gegenüber dem pietistisch andächtigen Text durch Respekt vor dem Anspruch grundiert, die ganze Schöpfung in Worte zu fassen.

 

Der Schöpfungsgarten, Barthold Heinrich Brockes, Händelfestspiele 2002, Bühnenbild Klemens KühnDer Schöpfungsgarten, Barthold Heinrich Brockes, Händelfestspiele 2002, Bühnenbild Klemens Kühn