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Und Pippa tanzt!     Schauspiel Köln 2015

Ein Glashüttenmärchen von Gerhart Hauptmann

Regie: Moritz Sostmann,

Bühne und Kostüme: Klemens Kühn,

Musik: Philipp Plessmann,

Licht: Hartmut Litzinger,

Dramaturgie: Sibylle Dudek.

Mit: Magda Lena Schlott, Johannes Benecke, Martin Reinke, Philipp Plessmann, Jakob Leo Stark, Yuri Englert.

Trailer: https://vimeo.com/131426890

https://www.youtube.com/watch?v=PZ0JHT-w-ns

 

Was für eine versunkene Welt! Im schlesischen Riesengebirge, im Dunstkreis der alten Glashütte, sitzt man abends zum Umtrunk in der Spelunke zusammen, der Glashüttendirektor, auch wenn er sich langweilt, solange Pippa nicht tanzt, mittenmang dabei. Der Wirt: ein zynisches buckliges Monstrum. Die Gastarbeiter, die hier vor Jahrhunderten nach Gold und Erz geschürft haben, nennt man "die Venediger". Einer von ihnen ist der Glastechniker Taglazioni, der beim Falschspiel erwischt und erstochen wird. Pippa ist seine minderjährige Tochter. Es ist bitter kalt. Wenn der grobschlächtig-zottelige Huhn, ein entlassener Glasbläser, stampfend in die Kneipe eintritt, schüttelt er mächtig viel Schnee von seinem Pelz. Huhn steht in Hauptmanns Glashüttenmärchen aus dem Jahr 1905 für die rohe animalische Kraft. Die tanzende Pippa für Grazie und Schönheit.

Pippa ist in Moritz Sostmanns Kölner Inszenierung eine Puppe, geführt von Magda Lena Schlott, die in ihrem Harlekinskostüm zugleich als Spielleiterin fungiert. Prächtig die Ausstattung von Klemens Kühn: Die sonst so öde Halle Kalk ist in ein großes Restaurant verwandelt, man sitzt bei einem Glas an Tischen. Ein Theaterportal mit Vorhang, die Kulissen dahinter gemalt, auf beiden Seiten Logen, ein breiter Steg zieht sich von der Vorbühne aus in den Saal. Es ist eine magische Welt voller dunkler Symbole, die die Handlung des eigenartigen Stücks zur Nebensache werden lässt. Wenn der stumme Diener Jonathan (Johannes Benecke) mit weinenden und lachenden Gläsern in aller Ausführlichkeit Zauberkunststückchen vorführt, ist das so essenziell wie nur irgendeine in kostbarstes Deutsch gebrachte Spruchweisheit aus der Feder des (mittelalten) Dichters. Das eine jedenfalls so sehens- wie das andere hörenswert.